weitere Infos zur Emscherkunst

Wäre die Emscherkunst 2013 ein Open-Air-Festival wie der Ruhr Reggae Sommer in Mülheim/Ruhr (19.–21. Juli), würde Ai Weiwei wahrscheinlich ganz oben auf den Werbeplakaten stehen. Der chinesische Künstler ist seit einigen Jahren auf allen Großausstellungen präsent und liefert – nicht immer freiwillig und nicht immer mit seiner Kunst – regelmäßig Schlagzeilen. In Dinslaken hat Ai Weiwei an zwei nicht weit auseinanderliegenden Plätzen einige seiner insgesamt 1000 Zelte aufgestellt – Aus der Aufklärung heißt die gesamte Aktion.

Die Zeltbahnen sind auf ganz unterschiedliche Weise bedruckt, alle Motive verweisen aber auf frühere Ausstellungen und Aktionen Ai Weiweis, etwa Circle of Animals/Zodiac Heads oder das Feld aus keramischen Sonnenblumenkernen in der Tate Modern (beide 2010).

Es besteht die Möglichkeit, in den Zelten zu übernachten, was jetzt auch tatsächlich von einigen gemacht wird, wo der Regen aufgehört hat. Als ich auf dem Zeltplatz herum ging, war dort gerade eine Gruppe von Jugendlichen unterwegs. Das sei doch nur Werbung in eigener Sache, was Ai Weiwei da mache, höre ich jemanden sagen. Und wenn schon, entgegnet eine andere Stimme. Das zeige aber doch, dass er nach wie vor zu dem steht, was er in den letzten Jahren gemacht hat.

Es kommt vielleicht darauf an, ob man als Besucher den Zeltplatz nur besichtigt oder, zusammen mit anderen, dort eine Nacht verbringt. Morgen früh findet in Dinslaken eine Diskussionsveranstaltung statt: „Braucht Kunst Politik, braucht Politik Kunst?“.

“Titel”
12. Juli bis 20. Oktober 2013

  • Kartenansicht: Museum Küppersmühle, Innenhafen Duisburg, Philosophenweg 55, 47051 Duisburg

Eberhard Havekost

Eberhard Havekost zoomt sich an Dinge im Nebel der Ungenauigkeiten, versucht Begriffsklärungen, schärft die Kanten, Farben. Tradierte Momente werden über Formatfragen angesprochen, die Hängung zwischen Klassik, Petersburg und Post-Post-… Damit werden die Bilder auch zur eigenen Intervention. Die Malerei in den Zeiten der Reproduzierbarkeit, eine Liebesgeschichte zwischen klassischer Dramatik und europäischem Autorenkino.

Wikipedia | Galerie Gebrüder Lehmann

Der Künstler Roman Kochanski hat sein Atelier im Kunsthaus Essen, einer ehemaligen Schule im Stadtteil Rellinghausen. Der Raum war einmal ein Klassenzimmer, möbliert mit Tischen und Stühlen; heute stehen dort nur noch wenige Möbel. Roman Kochanski braucht den Platz, um seine großen und kleinen Bilder malen zu können. Alles muss griffbereit sein, die verschiedenen Pinsel, die Farben und andere Utensilien. Es sieht aus wie in einer Werkstatt, einer Bilder-Werkstatt.

Auf den Wänden kleben Zeitungsausschnitte, Ausdrucke von aus dem Internet heruntergeladenen Fotografien, Reproduktionen von Gemälden anderer, älterer Maler und Skizzen von Roman Kochanski selbst. Das sind die Bilder, von denen er ausgeht. Es ist verführerisch, die Gemälde danach abzusuchen, was davon Verwendung gefunden hat. Schnell wird aber klar, dass Kochanskis Malerei nicht an diesen Bildern festhält. Mit Farben und Pinseln, Klebstreifen und Papier hantierend – unterbrochen von längeren Pausen, in denen die Farbe trocknen muss – arbeitet er sich (Farb-)Schicht für (Farb-)Schicht in seine Gemälde hinein und durch sie hindurch. Das dauert und deshalb macht er auch damit weiter, wenn Besuch da ist. Am Ende fügen sich die vielen großen und kleine Farbflächen, die er aufgetragen hat, zu einem Bild wie eine Intarsienarbeit, zusammengesetzt aus Übermalungen und Durchblicken auf ältere Malschichten, häufig glänzend wie Lack, manchmal samtig oder matt, hier glatt, dort aufgeraut und zerklüftet.

Überraschend für mich war zu erfahren, dass ihm die kleinen Formate anfänglich schwerer gefallen sind als die großen. Ich hätte gedacht, das wäre andersherum.

www.galerieloehrl.de | www.kunsthaus-essen.de

HOrigamiUSE
seit 23. Juni 2013

Kunst am Moltkeplatz – das ist eine seit vielen Jahren bestehende Initiative von Essener Bürgerinnen und Bürgern, die direkt vor ihrer Haustür einen Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst haben wollten und ihn dann tatsächlich selbst geschaffen haben: auf einem großen Rasenstück, unter freiem Himmel, umstellt von hohen Bäumen. Die Liste der in den letzten Jahren dorthin eingeladenen Künstlerinnen und Künstler ist lang: Das kann man alles auf der website nachlesen.

Aktuell steht dort ein Haus, ein Papierhaus, von Frank Bölter. Frank Bölter hat schon einen Panzer und ein Schiff, das auch tatsächlich wassertauglich war, aus Papier gefaltet. Jetzt also ein Haus: Das steht da auf dem Rasen. Einfach so. Wie es da wohl hingekommen ist? Ich hatte das Glück, dass ich rechtzeitig da war, um noch etwas von dem zu hören, was Sabine Maria Schmidt dazu zu sagen hat. Sie hat Frank Bölter eingeladen, das Haus auf den Moltkeplatz zu stellen. Das hat er aber nicht allein gemacht, denn so ein großer Bogen Papier, den kann keiner allein zu einem Haus falten. Viele haben dabei geholfen, natürlich wohnen einige davon auch am Moltkeplatz. Das fand am Vortag statt und ich hätte da gerne mitgemacht. Denn irgendwie wohnen die, die geholfen haben, jetzt auch in dem Papierhaus. Stelle ich mir sehr schön vor.

Übrigens hat Sabine Maria Schmidt eine Zeit lang richtig viele und viele gute Ausstellungen für das Museum Folkwang gemacht. Jetzt arbeitet sie an der Kunsthalle Bremen. Schön, dass sie Frank Bölter noch nach Essen eingeladen hat.

www.frankboelter.de | www.kunst-am-moltkeplatz.de

TROPICAL – Vom Zeigen und sehen
29. Juni bis 24. August 2013

Vergangenen Freitag (29. Juni) eröffnete der Studiengang Kunstkritik & Kuratorisches Wissen der Ruhr-Universität Bochum Jahrgang 2012/2013 auf Einladung des Dortmunder Kunstvereins ein Projekt mit Pedro Wirz.

Die Ausstellungsarchitektur entlehnte er seiner ursprünglichen Heimat Brasilien. Wie oben zu sehen ist, besteht diese u.a. aus Blumenampeln ähnlichen Displays. Neben diesen Blumengewächsen wuchsen auch die Arbeiten aus Ideen und wurden an anderer Stelle wieder verpflanzt. Ohne Metaphorik heißt das nun, dass Pedro seine neun Kuratorinnen nach deren Lieblingswerken fragte und diese beschreiben ließ. Diese Beschreibungen gab er dann an brasilianische Kunstwerkler. So gehen große Werke dieser Ausstellung bspw. auf Thomas Schütte, Frank Stella oder Olafur Eliasson zurück (siehe rechtes Bild oben).

Ohne Frage ist dies ein humorvoller Umgang mit Kultur, Kunstgeschichte und deren verschiedenartige Übersetzung respektive Interpretation.

www.pedrowirz.com 
Kunstkritik & Kuratorisches Wissen an der Ruhr-Universität Bochum

Travelin´ Light Part Two
seit 28. Juni 2013

Paul Schwer im Kunstverein Ruhr e.V., Essen, mit seiner Ausstellung "Travelling´ Light Part Two". Im Bild: Paul Schwer (links), Peter Freise (rechts). Foto: Denis Bury

Paul Schwer im Kunstverein Ruhr e.V., Essen, mit seiner Ausstellung “Travelling´ Light Part Two”. Im Bild: Paul Schwer (links), Peter Friese (rechts). Foto: Denis Bury

Am besten nähert man sich Paul Schwers Arbeit am Koppstadtplatz im Halbdunkel. Oder Halbhell. Dann ist der Übergang von drinnen nach draußen am geringsten und die Raumarbeit wird zur Kulisse des Schaufensters.

Paul Schwer denkt die Installation von der Malerei aus: Farbverteilung, Pinselgeste, Leuchtkraft. Am Ende eine Leinwand aus Plexiglas mit Schein und Sein. Peter Friese, Leiter des Kunstverein Ruhr e.V., gab dazu eine überzeugende und heitere Einführung.

www.paulschwer.de | Wikipedia | Galerie Ebbers | Galerie Holtmann

22. Juni bis 6. Oktober 2013

Die Arbeit "Zauberlehrling" von Inges Idee ist hier von einer Schifffahrt aus zu sehen. Foto: Denis Bury

Die Arbeit “Zauberlehrling” von Inges Idee ist hier von einer Schifffahrt aus zu sehen. Foto: Denis Bury

Als Ruhrgebietsneuling verliere ich doch ganz schön den Überblick ob der Angebotsvielfalt, seien es Einzelausstellungen, Grupppenausstellungen, Ausstellungsfestivals, Tanztheaterpremieren, Tanztheaterfestivals usw. Die Emscherkunst kündigte sich von allen Seiten an und so war ein Ausflug zur Eröffnung Pflichtprogramm. Noch ohne Fahrrad, dafür mit Zug, war nach der Ankunft in Oberhausen leider nicht ganz klar, wie-wo-was jetzt eigenlich passiert. Einzelne Fahrradtrupps deuten auf die Richtigkeit der Termininierung hin. Kein Plakat, kein Wegweiser, keine offene Touristeninformation führten zu einem Spatziergängchen querstadtein. Next to the Rehbein-Brücke gab es verschiedene Ansammlungen an Menschen, Fahrrädern und festivitätshinweisende Aufbauten, like Holzkontainer, Schilder und Grüppchen verschiedener Kulturschaffender. Auf die Frage der Orientierung hin meinte man: “Ja nach rechts. Oder links. Am Ende jedenfalls mit dem Taxi zum Bahnhof.” Aha.

Die Schiffahrt zur Installation von Inges Idee war jedenfalls ereignisreich mit Wetter und standup-comedyartiger Reisebegleitung. Schön wäre noch, wenn die Arbeiten nicht schon vorher über die Bilder so konkret ersichtlich wären. Denn der guten Idee von Bewegung mit Kunstereignis im öffentlichen Raum käme der Überraschungseffekt entgegen. Außerdem ist ein Grill ohne Alternativangebot etwas mager.

Also: Mit bissel Übung bei der Sache freue ich mich auf weitere Emscherkunst.

www.ingesidee.de | Wikipedia | Inges Idee auf emscherkunst.de

Platon´s Mirror
ab dem 14.6.2013

Zur zweiten Sammlungspräsentation des Video Studios im Museum Folkwang, Essen, präsentierte Mischa Kuball seine Intervention Platon´s Mirror. Dazu Philosopisches, Schweifendes, Erklärendes und gute Fragen von den gefüllten Sitzplätzen aus an einen enthusiastischen Mischa Kuball.

www.mischakuball.com | Wikipedia
Buchtipp:
Platons Spiegel und die Aktualität des Höhlengleichnisses, gestaltet von
Christoph Keller

REALITIES OF ABSTRACT SPACE
22. Juni – 31. Juli 2013

Die vorherige Ausstellung Thomas Böings bei Martin Kudlek vor vier Jahren sah ich zufällig, damals als Leipziger, heute als Essener. Thomas zeigte damals seine famosen Schaumstofffiguren (mit drei “f”). Diesmal geriet der Raum etwas durcheinander: Ein Modell eines langen Ganges, oben geschlossen, irritiert beim Betrachten ob seiner kleinen Größe. Weitere Modelle und Fotos durfte man sich mit guten Gin und Tonic schmecken lassen. Vielen Dank für den schönen Abend, den auch den zahlreichen Gäste innerhalb und außerhalb der Galerie bereicherten.

A World
bis 29. Juni 2013 in Düsseldorf
ab 29. Juni bis 24. August in Essen

HJLs Vorschlag folgend, besuchten wir die Ausstellung, die mit einem schönen Effekt aufwartete: Ausgehend von der belebten Straße davor, herrschte beim plötzlichen Halt in dem nur mit zwei Lautsprechern bestückten Ausstellungsraum eine wunderbare Entleerung. Repetitiv sagte eine Sprecherin: “A word with no men. A world with no woman… A world with no schools… “. Das war wunderbar.

Danach füllte sich die Welt wieder mit “A world with men. A world with womon… A world with schools”. Das fand ich etwas schade, aber Julia Willms erzählte mir, dass sie ihre Arbeit getestet haben und erst mit der Gegenüberstellung bei den meisten funktionierte. Das kann man gelten lassen.

http://willmsworks.net/de/ | GAM Obrist Gingold Galerie
http://www.andreabozic.com/